Der Gedanke beschäftigt mich seit vielen Jahren. Seine griechische Bedeutung: Seele,
Hauch, Atem, Lebenskraft, sind Teile, meines Lebens. Der Name „Psyche“ ist und klingt
geheimnisvoll und weckt tiefe Gedankenströme sowie Sehnsüchte. Wie Gedankens,-
Verhaltens,- und Wunschmuster, die bei den einzelnen Menschen nicht sofort zu
erkennen sind. Oft habe ich bei mir persönlich erfahren, dass ich eigene Wesenszüge
nicht kannte und sie mir auch über viele Jahre hinweg nicht bewusst gewesen sind.
Eindreiviertel Jahr intensiver Auseinandersetzung und Grübeleien über meine eigene
Psyche vergingen, bevor ich es wagte das Thema mit Skizzen zu belegen. Der innere
Druck war so groß geworden und ich wollte meine Empfindungen plastisch vor
mir sehen.

Was ist meine Psyche? Wie verstehe ich sie?
Habe ich eine plastische Vorstellung von ihr?

So habe ich Gedanken um Gedanken aufgeschrieben, die mich im geheimen beschäftigen,
meine Phantasie anregten, erfreuten und betrübten. Gedanken, die Teil meines
Wesens sind, über die ich mich mit meinen Ausdrucksmitteln und meiner Formensprache
äußern wollte. Denn meine Sprache und Ausdruckskraft ist die Skulptur.

Geplant und angelegt ist diese Skulptur in einer Größe von 1,70m x 0,70m. Sie findet
in dieser Höhe ihre korrekte Sicht aus der menschlichen Perspektive. Als Material stelle
ich mir verleimtes Kirschbaum- oder Lindenholz vor. Den Farbton des Holzes sehe ich
sonnengebleicht vor mir. Die vorhandene „Kleinplastik“ symbolisiert somit Wünsche
und Gedankenfragmente, die mich in Unruhe versetzen.

Die kleine Bronzeskulptur wächst aus der Unendlichkeit einer Kugel als „Weltsymbol“
heraus. Der weibliche Körper ist der Urgrund, der sich immer wieder erneuernden
Sehnsüchten und zärtlicher Liebeserwartungen. Die Hand im Schoße erhöht den Reiz
der unerfüllten Sehsucht und das Geheimnis des werdenden Lebens. Die Beinprothese
mit dem Busen symbolisiert die Brüchigkeit jeder konstruierten Lebens-, und Sehnsuchtsthese.
Gleichzeitig ruht auf ihr der Urlebensquell, das Wasserbecken, und nährt
die Kugel als Kopf der Vergänglichkeit und die Hoffnung auf die Unendlichkeit.

In der griechischen Literatur und Sagenwelt verkörpert Psyche auch die Neugierde,
welche ihr aber zum Verhängnis wird. Nach ihrem langen Leidensweg findet sie auf
Grund der Fürbitte ihres Geliebten „Amors„ ein gütiges Ohr und wird vom
Göttervater Jupiter als Sterbliche in den Olymp aufgenommen.

So verleiht uns Psyche auch heute noch Flügel, bewegt unsere Phantasie
und Traumwelt.