Die Welt der Gegensätze!
Ein Thema das mich schon lange beschäftigt.

jing — jang
hoch — tief
Liebe — Hass
Frieden — Krieg
reich — arm
rau — glatt
voll — hohl
leise — laut

Diese Gegensätze nehmen in unserem Leben und Handeln einen wesentlichen Platz
ein. Auf der einen Seite sind unsere Gedanken frei wie eine Lerche, die sich in den
ersten Sonnenstrahlen in die Luft erhebt. Dann wieder schleppen sie sich bleiern durch
unser Gehirn wie ein kalter sturmpeitschender, regnerischer Herbsttag. Die Gegensätze
bilden einen starken Kettenring, der unser Tun und Lassen begrenzt. Wie ist dieser Ring
zu sprengen? Lässt sich nur das Positive oder nur das Negative leben?

An dieser geteilten Kugel habe ich versucht mich zu messen, da Geist und Material
sich diametral gegenüber standen. Zuerst war ein ansehnlicher kubischer Block, der
meine Gedanken in „ Jing“ und „Jang“ des Lebens geformt haben. Doch am Beginn der
Arbeit stand das große Suchen. Wo ist der Anfang und wo ist das Ende der Kugel.
Der Gedanke eine Kugel zu konstruieren hat mich schon lang gereizt, doch immer
fehlte der Mut mit der Arbeit zu beginnen.

Eine Kugel zu konstruieren, deren Radius unverändert nach allen Richtungen gleich ist,
stellt hohe Anforderungen an das Wissen um die technische Konstruktion und an die
handwerklichen Fertigkeiten. Dabei war die Idee, das Gestaltungsprinzip, “ des Jing
und Jang, “ zu berücksichtigen. In die Idee des Entwurfs mischte sich der Gedanke an
unseren Lebensraum, die Erde, mit Ihren unzähligen Narben. Er bestimmte die
Auswahl des Materials, den roten Travertin mit seinen Poren und den Millionen Jahren
alten Einschlüssen aus Kalk und Kristallen. In der Entwurfsphase ist mir bewusst
geworden, daß durch die Teilung der Kugel es möglich sein wird, sich meiner Idee der
soziologischen Gegensätze zu nähern. Die stehende volle Halbkugel trägt die
geneigte Hohlschale.

Singend und jaulend fuhr die Flex in den Stein und formte den Kubus 80/80/60 cm zu
einem Zylinder und schrittweise zur Kugel. Im Verlauf dieses Prozesses ist mir bewusst
geworden, daß durch die Teilung der Kugel in zwei Hälften, die Unendlichkeit sich in die
fassbare Endlichkeit wandelt, so daß die Gegensätze für mich greifbar erscheinen. Die
Kugel selbst symbolisiert für mich die Unendlichkeit, ohne Anfang und Ende.

Das Durchbrechen dieses Systems war mein Anliegen in der Entwurfsphase zu dieser
Skulptur. So ist durch die Arbeit mit der Flex und dem Martello diese Skulptur entstanden.
Dort wo sie steht, spricht sie für sich, im Gras, auf dem Sockel oder im Busch
umgeben von Blättern und Zweigen. Doch das zu Ende Denken der Unendlichkeit wird
mir sicher immer verwehrt bleiben.