Bereits in meiner frühen Jugend kam ich mit der griechischen Sagenwelt in Verbindung.
Die lebendige und plastische Darstellung der Götterwelten hat meine Phantasie
beflügelt. Insbesondere die Gestalt des Prometheus, ein Titan und Menschenfreund.

Eine Anzahl von Mythen erzählen, daß er der Schöpfer der Menschen sei. Er habe mit
kunstfertiger Hand eine götterähnliche Gestalt aus Wasser und Leim sowie etwas Erde
modelliert.

Eine Sage beschreibt, Prometheus habe Feuer aus dem Himmel geholt und es seinen
Geschöpfen in die Brust gelegt und sie so zum Leben erweckt. Eine andere besagt, —
Athene persönlich sei gekommen und habe die toten Körper belebt. Doch nach
mehreren großen Sagen geschah die Menschheitsschöpfung durch das Gebot des
Gottkönigs Zeus.

Es heißt, er habe dazu die Weisung erteilt. Andere Sagen lassen jedoch vermuten,
die Erschaffung des Menschengeschlechtes sei gegen den Willen von Zeus erfolgt.
Jedenfalls berichten die Sagen, daß der edle Titan Prometheus durch seine Tat bei Zeus
in Ungnade gefallen sei. Da das Menschengeschlecht durch seinen Lebenswandel und
seine Taten bei Zeus in Unmut gefallen war, beabsichtigte er die Menschheit auszurotten
und bestimmte Prometheus dazu, die Tat auszuführen. Diesen jedoch dauerten
die in Armut und Jammer lebenden Menschen so, dass er sie unter seinen Schutz und
seine Fittiche nahm und ihnen die Phantasie gab; Feuer bei dem Schmied Hespeitos
stahl und es den Menschen brachte. Als Zeus davon erfuhr, daß Prometheus sich
seinem Befehl widersetzt hatte, ließ er ihn gefangen nehmen und an einen Fels im
Kaukasus anschmieden. Zeus beauftragte einen Adler, dem Gefangenen täglich die
Leber und das was davon nachwuchs, abzufressen, um ihm so entsetzliche Schmerzen
für seinen Ungehorsam zu bereiten.

Doch nach vielen qualvollen Jahren und durch die Fürsprache der anderen Götter hat
ihn Zeus begnadigt und ihm den Eintritt in den Götterhimmel gewährt. Eine ähnliche
Geschichte finden wir in der Bibel. Es ist die Geschichte von Noah, der aus Gottesfürchtigkeit
und Liebe die Menschen vor der Sintflut bewahrt und rettet. In den vergangenen
10 Jahren meiner Architektentätigkeit stellte ich fest, daß viele Menschen die erhaltenen
Geschenke wie das innere lodernde Feuer der Begeisterung, sowie die Phantasie
durch die Einführung des Computers, des Fernsehens, der Kommunikationmedien
verloren haben. Besonders ist mir dies bei meinen Besuchen und Verhandlungen mit
Behörden aufgefallen. Wollte ich mit einem der angestellten Kollegen ein Problem
diskutieren, drehte er sich um mit der Bemerkung: “Moment einmal, ich muss erst
meinen Computer befragen.“ Ein Planungsgespräch, wie ich es aus den sechziger und
siebziger Jahren her kannte, war kaum noch zu führen. Durch diese Phantasielosigkeit
und das erloschene Feuer in den Menschen ist dann Prometheus endgültig gestorben.

Die Bündelung meiner Gedanken und viele Skizzen haben mich zu dieser Skulptur
geführt. Mit dem zu Stein gewordenen Computer und dem stilisierten Bildschirm
wurde der Menschenfreund Prometheus erdrückt und ließ so eine ziemlich
phantasielose Welt zurück.